Vollversammlung SK Köln

Als Rembrandt im Jahr 1642 sein heute weltberühmtes Gemälde „Die Nachtwache“ schuf, hatte er die Aufgabe, eine Schützengilde zu malen. Anders als seine Vorgänger, die solche Themen bearbeiteten, reihte er jedoch nicht Porträt an Porträt in der Absicht, jeden gleich wichtig vorzustellen, sondern arrangierte eine Szenerie des nächtlichen Gangs durch die Stadt und nahm dabei in Kauf, dass einige deutlich und ganzfigurig im Vordergrund, andere halb verdeckt oder im Schatten abgebildet wurden. Zu seiner Zeit erntete er bei seinen Auftraggebern harte Kritik.
Volker Hildebrandt steht heute vor der Aufgabe, beinahe 4000 Mitarbeiter auf einem Bild zusammenzuführen; eine schier unlösbare Aufgabe, möchte man meinen, und Rembrandt wäre damit vermutlich überfordert gewesen. Volker Hildebrandt löst diese Aufgabe mit konzeptionellen Mitteln und zeitgenössischer Computertechnik:
Anstelle den nahe liegenden Weg zu gehen und auf ein monumentales Format auszuweichen, reduziert er die Größe des Bildes auf 63 x 63 cm. Jedes Einzelporträt reduziert sich dadurch auf die Größe von 1 x 1 cm. Das Einzelbild wird in seiner Bedeutung reduziert. Insgesamt entsteht jedoch durch die Anordnung der Porträts in alphabetischer Reihenfolge und die Tatsache, dass jeder Mitarbeiter sich die Hintergrundfarbe, die dem freigestellten Porträt hinterlegt wird, selbst aussuchen kann, ein fast abstraktes farbiges Gesamtbild, das die Stadtsparkasse Köln als Ganze repräsentiert. Das entstandene Bild unterstreicht die Idee, ein Bild zu schaffen, das deutlich macht, dass die Firma das Ergebnis des Zusammenwirkens ihrer Mitarbeiter ist.
Geht man nahe an das Bild heran, kann sich jedoch jeder Mitarbeiter klar identifizieren. Die digitale Existenz des Gesamtbildes erlaubt darüber hinaus die Herstellung von Editionen des Gesamtbildes, aber auch das Herausgreifen einzelner Porträts im größeren Format und macht damit deutlich: Das Ganze negiert nicht die Bedeutung des Einzelnen.
Das Bild Vollversammlung ist somit ein Werk, das in mehreren Variationen existieren kann und gerade durch diese Vielfalt seine Bedeutung und seinen Inhalt definiert. Im Grunde könnte man die digitale CD, auf der das Werk gespeichert ist, als das eigentliche Original bezeichnen. Auf Rembrandt übertragen versöhnt die Computertechnik die Idee des traditionellen Schützenbildes - des Herausstellens aller Mitglieder in gleichwertiger Weise - mit dem Konzept Rembrandts, das Einzelporträt der Idee des Ganzen unterzuordnen.

Reinhold Mißelbeck

 

"Vollversammlung Stadtsparkasse Köln",
Stichtag 31. August 2001

 


Rede zur VOLLVERSAMMLUNG

Sie haben viel gearbeitet in den letzten Wochen und Monaten. Sie haben die VOLLVERSAMMLUNG gefüllt. Durch Ihre Mitarbeit, durch Ihre Bilder entstand Ihr Bild. Ein Bild, welches Sie geschaffen haben und welches Sie zeigt. Ohne Sie alle gäbe es die VOLLVERSAMMLUNG nicht. Und ohne Sie sähe das Bild anders aus. Danke dafür.
Manche werden Ihr Bild mögen, manche vielleicht nicht. Wir streiten nicht über Geschmack. Aber Sie können reden über das Bild.
Auf der VOLLVERSAMMLUNG können Sie sich wiederfinden und andere, die Sie schon kennen. Vielleicht aber sehen Sie die in einer anderen Farbe als bisher. Vielleicht sehen die anderen Sie in einer Farbe, die sie nicht kannten bei Ihnen. In der VOLLVERSAMMLUNG finden Sie vielleicht jemanden, den Sie bislang noch nicht kannten. Den Sie jetzt vielleicht kennenlernen wollen. Weil er Ihre Farbe auch hat.
Manche werden sie mögen, manche nicht. Alle aber werden Sie reden können über sie und sich. Das ist der Sinn der VOLLVERSAMMLUNG.

Volker Hildebrandt


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