S: Mit dem Untertitel "Back to Hotel Rasputin" unserer "Transvision"-Ausstellung
knüpfst Du an Deine BTX-Ausstellung "Welcome
to Hotel Rasputin" aus dem Jahre 1989 an.
H: In mehrfacher Hinsicht. Erstens ist da die direkte
Nachbarschaft des EAM und des "Rasputin". Dann thematisch,
was Transsexualität in meinem bestimmten Zusammenhang bedeutet
und nicht zuletzt auch mit der Verbindung von BTX und Internet, der
Entwicklung von dem primitiven Medium zum weltumspannenden Netz mit
scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.
S: Fangen wir bei der Transsexualität an. 1989
hast Du das Thema eher umkreist, nicht direkt angesprochen. Heute gehst
Du es direkter an.
H: Damals war das noch kein öffentliches Thema.
Es gab wohl eine Szene für "Kenner", aber ich war keiner.
Als ich etwa 1987 dann ins "Rasputin" kam, hat mich das unter
einem Bildstörungs-Aspekt interessiert und ich hielt die Erfahrungen
dort für gleichnis-tauglich hinsichtlich der Entwicklungen in den
Medien.
S: Wobei Du aber nicht auf die oft sicherlich großen
persönlichen Probleme, die mit Trans-sexualität einhergehen,
eingegangen bist.
H: Ich bin ja kein Psychologe oder Arzt. Mich interessieren
Oberflächen und das Thema Transsexualität ist über den
Umweg der Androgynität, die vor ein paar Jahren die Trends bestimmte,
an die Oberfläche gekommen. Heute kann man beinahe jeden Tag in
irgendeiner Talk-Show einer Transe begegnen, die ihre Wandlungskünste
vorführt. Da geht es dann weniger um Probleme, mehr um Show und
Geld, um nochmal Deine Frage zu beantworten.
So ist das übrigens auch im Hotel Rasputin. Da geht es nicht um
die jeweils persönliche Pro-blematik einer wirklichen oder gefühlten
Geschlechtszugehörigkeit, sondern um ein be-stimmtes Oberflächen-Angebot,
mit dem Show geboten und Geld gemacht wird.
S: Du hast eben von dem Bildstörungs-Aspekt gesprochen,
der Dich im "Rasputin" interessiert hat. Kannst Du das ein
wenig erläutern.
H: Ich wußte, wie ich mich Frauen gegenüber
verhalte, ich wußte, wie Männern gegenüber.
Aber da waren Frauen, die zum Teil sehr schön waren, Über-Frauen
fast, aber doch Männer.
Eigentlich waren es weder Frauen noch Männer, sondern komplette
Wesen. Das war schon merkwürdig. Im "Hotel Rasputin"
war - und ist - die "Bildstörung" geradezu mit Händen
zu greifen, durchaus ganz im Wortsinne.
S: Ich verzichte auf weitere Ausführungen hierzu.
In unserer Ausstellung werden wir ganz verschiedene Arbeiten von Dir
sehen. Gemalte, gepunktete "Bildstörungs"-Bilder, überpunk-tete
Kruzifixe, Video-Stills aus dem noch nicht decodierten "Premiere"-Fernsehen
und Transi-Fotos und -Collagen aus dem Internet.
H: Es sind verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.
S: Die gepunkteten, man könnte auch sagen pointillistischen
Arbeiten...
H: ...sind hyperrealistische Abbilder einer neuen Wirklichkeit.
S: Wobei in der "Cross Dressing"-Serie überpunkteter
Kruzifixe auch mit der Titulierung auf Transsexualität angespielt
wird. Die "Premiere"-Fotos...
H: ...sind schöne Fotos, die dem Betrachter Phantasie
abverlangen. Und Beispiele für die einzigen Fernsehbilder, die
noch Phantasie forden oder umgekehrt dafür, daß man viel
Geld dafür bezahlen muß, keine mehr einsetzen zu müssen.
S: Die "Transvision"-Serie, die unserer Ausstellung
den Titel gab...
H: ...besteht aus für jedermann frei verfügbaren
Fotos von Transsexuellen. Im klassischen Sinne würde man sagen
müssen, es ist Pornographie, tatsächlich ist die heutige Bezeichnung
"Internet".
S: Alles im weiteren sowie auch engeren Sinne vorhandene
Bilder, Bilder, die uns permanent umgeben.
H: Alles Bilder oder Bildstrukturen, die mir ins Haus
kommen, die ich nur aufgreifen muß. Wobei ich allerdings z. B.
bei den Transen-Fotos sicherlich einige Tausend habe anschauen und aus
dem Internet herunterladen müssen, um dann die paar zu haben.
S: Sag bitte hier ein paar Worte zu den Techniken.
H: Die Acrylbilder sind Acrylbilder, die "Premiere"-Bilder
sind Video-Stills, die als Fotoabzug oder als Plot ausgeführt sind,
die Transen sind aus dem Internet heruntergeladen. wenig computerbearbeitet
und dann als Laser-Prints oder Plots ausgeführt.
S: Danke.
H: Bitte.
S: Gisela Schädel
H: Volker Hildebrandt
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