Transvision
- Back to Hotel Rasputin -
13. Februar - 6. Mai 2001

Eröffnung 13 Februar.2001, 19.30 Uhr
Einführung Oliver Zybok, Museum Morsbroich Leverkusen
Erotic Art Museum Hamburg
Nobistor 10a · 22767 Hamburg
Tel 040 - 31784126

 

S: Mit dem Untertitel "Back to Hotel Rasputin" unserer "Transvision"-Ausstellung knüpfst Du an Deine BTX-Ausstellung "Welcome to Hotel Rasputin" aus dem Jahre 1989 an.

H: In mehrfacher Hinsicht. Erstens ist da die direkte Nachbarschaft des EAM und des "Rasputin". Dann thematisch, was Transsexualität in meinem bestimmten Zusammenhang bedeutet und nicht zuletzt auch mit der Verbindung von BTX und Internet, der Entwicklung von dem primitiven Medium zum weltumspannenden Netz mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

S: Fangen wir bei der Transsexualität an. 1989 hast Du das Thema eher umkreist, nicht direkt angesprochen. Heute gehst Du es direkter an.

H: Damals war das noch kein öffentliches Thema. Es gab wohl eine Szene für "Kenner", aber ich war keiner. Als ich etwa 1987 dann ins "Rasputin" kam, hat mich das unter einem Bildstörungs-Aspekt interessiert und ich hielt die Erfahrungen dort für gleichnis-tauglich hinsichtlich der Entwicklungen in den Medien.

S: Wobei Du aber nicht auf die oft sicherlich großen persönlichen Probleme, die mit Trans-sexualität einhergehen, eingegangen bist.

H: Ich bin ja kein Psychologe oder Arzt. Mich interessieren Oberflächen und das Thema Transsexualität ist über den Umweg der Androgynität, die vor ein paar Jahren die Trends bestimmte, an die Oberfläche gekommen. Heute kann man beinahe jeden Tag in irgendeiner Talk-Show einer Transe begegnen, die ihre Wandlungskünste vorführt. Da geht es dann weniger um Probleme, mehr um Show und Geld, um nochmal Deine Frage zu beantworten.
So ist das übrigens auch im Hotel Rasputin. Da geht es nicht um die jeweils persönliche Pro-blematik einer wirklichen oder gefühlten Geschlechtszugehörigkeit, sondern um ein be-stimmtes Oberflächen-Angebot, mit dem Show geboten und Geld gemacht wird.

S: Du hast eben von dem Bildstörungs-Aspekt gesprochen, der Dich im "Rasputin" interessiert hat. Kannst Du das ein wenig erläutern.

H: Ich wußte, wie ich mich Frauen gegenüber verhalte, ich wußte, wie Männern gegenüber.
Aber da waren Frauen, die zum Teil sehr schön waren, Über-Frauen fast, aber doch Männer.
Eigentlich waren es weder Frauen noch Männer, sondern komplette Wesen. Das war schon merkwürdig. Im "Hotel Rasputin" war - und ist - die "Bildstörung" geradezu mit Händen zu greifen, durchaus ganz im Wortsinne.

S: Ich verzichte auf weitere Ausführungen hierzu. In unserer Ausstellung werden wir ganz verschiedene Arbeiten von Dir sehen. Gemalte, gepunktete "Bildstörungs"-Bilder, überpunk-tete Kruzifixe, Video-Stills aus dem noch nicht decodierten "Premiere"-Fernsehen und Transi-Fotos und -Collagen aus dem Internet.

H: Es sind verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.

S: Die gepunkteten, man könnte auch sagen pointillistischen Arbeiten...

H: ...sind hyperrealistische Abbilder einer neuen Wirklichkeit.

S: Wobei in der "Cross Dressing"-Serie überpunkteter Kruzifixe auch mit der Titulierung auf Transsexualität angespielt wird. Die "Premiere"-Fotos...

H: ...sind schöne Fotos, die dem Betrachter Phantasie abverlangen. Und Beispiele für die einzigen Fernsehbilder, die noch Phantasie forden oder umgekehrt dafür, daß man viel Geld dafür bezahlen muß, keine mehr einsetzen zu müssen.

S: Die "Transvision"-Serie, die unserer Ausstellung den Titel gab...

H: ...besteht aus für jedermann frei verfügbaren Fotos von Transsexuellen. Im klassischen Sinne würde man sagen müssen, es ist Pornographie, tatsächlich ist die heutige Bezeichnung "Internet".

S: Alles im weiteren sowie auch engeren Sinne vorhandene Bilder, Bilder, die uns permanent umgeben.

H: Alles Bilder oder Bildstrukturen, die mir ins Haus kommen, die ich nur aufgreifen muß. Wobei ich allerdings z. B. bei den Transen-Fotos sicherlich einige Tausend habe anschauen und aus dem Internet herunterladen müssen, um dann die paar zu haben.

S: Sag bitte hier ein paar Worte zu den Techniken.

H: Die Acrylbilder sind Acrylbilder, die "Premiere"-Bilder sind Video-Stills, die als Fotoabzug oder als Plot ausgeführt sind, die Transen sind aus dem Internet heruntergeladen. wenig computerbearbeitet und dann als Laser-Prints oder Plots ausgeführt.

S: Danke.

H: Bitte.

S: Gisela Schädel
H: Volker Hildebrandt

showtimeback
next